Before I die...

Submitted by identity on Thu, 06/14/2018 - 10:25

Before I Die ...

Du hast Angst. Du hast Angst und wirst hektisch, gestresst und panisch. Angst was kommt und vor dem was war. Was war es denn und war es genug? Viel Arbeit, wenig Zeit für deine Familie, deine Freunde, dich. Hart arbeiten und wenig leben, um später mehr leben zu können. Das klingt doch absurd? Hätte dir früher in den Sinn kommen sollen, wie absurd das ist. Die Karriere, die Welt retten – schöne Träume und Ziele. Doch sie haben wohl etwas überhandgenommen über dein Leben. Hättest du mal lieber deine Welt gerettet und dir ermöglicht dein Leben zu leben.

 

Wie wäre es wohl?

Alena und ihre Projektpartner haben sich intensiv damit beschäftigt, wie der Moment wohl ist, an dem das Leben an einem vorbeizieht. Im Zuge ihres Studiums an der FH Vorarlberg bekamen sie die Aufgabe, Projekte zum Thema Sehnsucht umzusetzen. Dafür klärten sie vorerst ab, was denn Sehnsucht genau bedeutet. Schnell kamen sie zu dem Schluss, dass es für jeden etwas anderes bedeutet, allerdings sehr stark mit Bedürfnissen und Wünschen zusammenhängt. Daher wollten sie die Menschen dazu bringen, über ihr eigenes Leben zu reflektieren und deren Wünsche und Sehnsüchte ans Tageslicht bringen.

Ganz ruhig und in sich gekehrt sitzt Alena auf ihrem Stuhl. Auf die Frage worüber sie nachdenke, antwortet sie: „Ich überlege gerade, wie es wohl wäre, wenn das Herz zum letzten Mal schlägt."

Ein Projekt, das zum Nachdenken anregt

Bei der Recherche sind sie auf das Projekt „Before I die...“ gestoßen. Es ist ein globales Kunstprojekt, das Menschen dazu einlädt, über ihr eigenes Leben zu reflektieren und ihre Sehnsüchte in der Öffentlichkeit zu teilen. Ursprünglich stammt dieses Projekt aus den USA und wurde von der Künstlerin Candy Chang aus New Orleans ins Leben gerufen. Nachdem sie ein geliebtes Familienmitglied verlor, hat sie eine Wand aufgestellt, auf der sich Menschen ausdrücken können. Heute sind mehr als 2000 solcher Wände auf der ganzen Welt verteilt. „Dieses Projekt hat uns ermöglicht, unser Ziel zu erreichen – Menschen zum Nachdenken zu bringen.“, erklärt Alena.

 

Ein Stück Motivation für jeden

Die Tafel steht derzeit im Foyer der Fachhochschule Vorarlberg. Die massive Holzwand misst vier mal zwei Meter und ist zwischen zwei weißen Säulen befestigt. Nach vier Dosen schwarzem Tafellack, vielen Arbeitsstunden und aufwändigen Transportmanövern, konnte die Tafel am 10. April endlich für alle zugänglich gemacht werden. „Rückblickend war unser größtes Problem, die Tafel zu bewegen. Als sie angeliefert wurde, kam ein großer Laster. Und um die Tafel aufzustellen, brauchten wir sechs Personen.“, teilt sie lachend mit.

Nun hieß es warten wie das Projekt wohl angenommen werden würde. Denn Sehnsüchte sind doch etwas Privates und Intimes. Daher waren sich die fünf nicht sicher, wie viele Teil des Projekts sein möchten. „Wir haben auch vermutet, dass wir selbst die ersten Statements aufschreiben müssen. Wir hingen die Stifte an die Wand, gingen zum Unterricht und erwarteten die leere Wand wieder vorzufinden. Als wir nach einer Stunde zurückkamen standen da allerdings schon einige Wünsche und Sehnsüchte darauf.“, erinnert sich Alena an diesen Moment zurück. Und bei jedem Vorbeigehen wurde sie voller und voller. Es hat sie natürlich gefreut und auch stolz gemacht, dass ihr Projekt so gut ankam.

 

Erkenntnisse

Von Familienplanungen über Reisewünschen bis hin zu Lebensmottos ist auf der Wand alles vertreten. Leider auch vereinzelt unerwünschte Kommentare: „Damit haben wir ehrlich gesagt nicht wirklich gerechnet. Obwohl man bei nahezu jedem Projekt mit vereinzelten, nennen wir es Provokateuren, rechnen muss. Dennoch bin ich der Meinung, dass diese vereinzelten negativen Aussagen neben den vielen schönen, positiven, herzlichen, privaten und persönlichen Gedanken an Wichtigkeit verlieren.“ In Summe steht mehr Gutes als Schlechtes auf der Wand. Die Menschen neigen dazu, sich von einzelnen Fehlern, Schwierigkeiten oder Problemen so sehr beeinflussen zu lassen, dass sie das viele Gute daneben gar nicht mehr sehen.

Dies zählt zu den Erkenntnissen, von denen die Gruppe sagt, persönlich profitiert zu haben. Sie haben zudem auch fachlich viel gelernt: „Das war bisher das größte Projekt, das wir während dem Studium gestemmt haben.“ Am meisten hätten sie davon profitiert, ein Projekt von Anfang bis zum Ende selbständig durchgeplant und umgesetzt zu haben. Schlussendlich sei es eine große Genugtuung gewesen, so einem wunderbaren Projekt beigesteuert zu haben.

Immer noch sehr nachdenklich sitzt Alena da und sagt: „Wir beschäftigen uns nun seit drei Monaten mit diesem Thema und irgendwie kenne ich meinen tiefsten Wunsch immer noch nicht. Natürlich würde ich gerne noch viele Teile dieser Welt sehen, möchte ich später einen guten Job haben und eine Familie gründen. Aber wenn ich den Bescheid bekäme, nur noch wenige Monate Zeit zu haben bis mein Herz aufhört zu schlagen, wäre ich mir nicht mehr so sicher, ob dies ganz oben auf meiner Liste stünde.“